Die Massai sind ein stolzes Hirtenvolk

"Sidai kinotote" heißt "Schön, dich kennenzulernen" in der Sprache der Massai

Vater und Sohn beim Rinderhüten

Die Massai sind das bekannteste Nomadenvolk Ostafrikas. Einst waren sie gefürchtete Krieger. Sie glaubten, die Rinder wären ihnen von Gott versprochen und machten Jagd auf die Rinder anderer Völker. Auf dem Foto rechts siehst du den 8jährigen Kimani, der in einem Massai Dorf in der Nähe von Arusha lebt. Er hütet mit seinem Vater die Rinder, sie sind der größte Stolz der Familie. Kimanis größtes Ziel ist es, einmal in die Schar der Krieger aufgenommen zu werden. Dann erhält er einen Speer wie sein Vater.

Der Reichtum der Massai sind ihre Rinder

Früher zogen die Massai mit ihren Rinderherden durch die Hochebenen Kenias und Tansanias. Doch viele Massai sind seßhaft geworden. Sie leben in rundförmig angelegten Dörfern. Sie treiben keinen Ackerbau und sie verachten das Handwerk. Ihr wertvollster Besitz sind ihre Rinderherden. Je mehr Rinder ein Mann besitzt, um so mehr wird er geachtet. Die Älteren hüten die Rinder, die Jungen kümmern sich um die Kälber. Jedes Rind bekommt einen Namen. Kimanis Vater besitzt 86 Rinder, und alle 86 Namen hat er im Kopf. Nachts werden die Tiere in einem eingezäunten Kral untergebracht. Oft tauchen Schakale auf, die nach Beute suchen. Dagegen haben die Massai ein natürliches Abwehrmittel: Sie pinkeln eine Urinspur rund um den Kral, so machen sie den Schakalen deutlich, dass dieses Revier ihnen gehört! Die Massai jagen keine wilden Tiere, mit einer Ausnahme, Löwen. Einen Löwen zu erlegen, gilt als wichtige Mutprobe für einen jungen Massai.

Massaikinder haben mehrere Mütter

Massai Junge in traditioneller TrachtKimani hat sieben Geschwister und zwei Mütter. Das liegt daran, dass sein Vater mit zwei Frauen verheiratet ist. Und beide Frauen gelten als seine Mama. Jede Frau hat eine eigene Hütte, Kimani lebt mit seinen Geschwistern in der Hütte von Naisila, seiner leiblichen Mutter. Die Hütten werden von den Frauen gemeinschaftlich gebaut. Sie bestehen aus Lehm, Kuhdung und sind mit Stroh überdacht. Auch Kimanis Vater wohnt in einer eigenen Hütte. Er versorgt die Tiere, und ist Mitglied im Ältestenrat. Die Ältesten regeln die Angelegenheiten der Gemeinschaft und beschließen, wann sie mit den Rindern auf Wanderschaft gehen.

Mädchen und Jungen wachsen unterschiedlich auf

Massaikinder hüten KälberMädchen und Jungen werden von Kind an unterschiedlich erzogen. Die Jungen bewachen die Kälber und Ziegenherden. Sie melken die Tiere und kümmern sich um das Wasserholen. Die Mädchen lernen Essen zuzubereiten, Feuerholz zu sammeln und Hütten zu bauen. Sie helfen außerdem beim Färben der Stoffe und dem Nähen der Kleider. Das traditionelle Kleid heißt Rubeka, es ist rot und sehr bequem. Alle Kinder müssen gehorchen und die Regeln der Gemeinschaft befolgen. Wenn sie ungehorsam sind, werden sie vom "kneifenden Mann" bestraft. Auch die Schule bei den Massai funktioniert nach strengen Regeln 

Was die Massai essen

Massaifrau (c) William Warby Kimanis Mutter heißt Naisila. Sie trägt ihre Haare ganz kurz, denn die Tradition verlangt, dass Frauen und Kinder ihre Köpfe kahl rasieren. Mädchen und Frauen schmücken sich mit bunten Perlenketten. Ohrschmuck dürfen nur verheiratete Frauen tragen, wie die Mutter von Kimani. Hauptsächlich ernähren sich die Massai  von dem Fleisch und der Milch ihrer Rinder und Ziegen. Sie essen auch Maisbrei und Bohnengerichte. Sie bereiten eine Spezialität zu, die es nur bei den Massai gibt: Sie zapfen ihren Kühen  Blut ab, vermischen es mit Milch und trinken es wie einen Cocktail.

 

Woran glauben die Massai?

Nordtansania Ol Doinyo Lengai Vulkan (c) Clem23

Der Berg auf dem rechten Foto ist der 3000 Meter hohe Vulkan Ol Doinyo Lengai im Norden von Kenia. Die Massai nennen ihn den Berg Gottes. Sie glauben, dass hier ihre oberste Gottheit residiert. Der Vulkan entstand in den Anfangszeiten der Erde. Er ist schon lange nicht mehr aktiv. Die Massai haben in der Ebene rund um den Vulkan ihre Dörfer angelegt. Diese bestehen aus einfachen Hütten und sind schnell aufgebaut.

Was spielen Massaikinder?

Kimani spielt mit seinen Freunden Speerwerfen und jagt Vögel oder Mäuse. Seine Schwestern spielen "Familie" und Versteckspiele. Ein Spiel spielen Jungs und Mädchen gemeinsam. Es heißt Dithwai und dreht sich um Rinder. Du brauchst dazu nur Sand und Steine. Jeder Spieler baut einen Kral für seine „Herde“, die aus 10 Steinen besteht. Der jüngste Spieler prägt sich die Merkmale seiner Steine ein und schließt dann die Augen. Jetzt nehmen die anderen Mitspieler einen seiner Stein und legen ihn in ihren Kral. Der jüngste Spieler muss nun versuchen, seine Steine wiederzuerkennen. Keine leichte Aufgabe. Danach kommen die anderen Spieler an die Reihe. Gewonnen hat, wer am Ende die meisten Steine besitzt.