Völker und Sprachen

Die Mehrzahl der Ägypter lebt im Niltal, an den Küsten und in den Großstädten des Landes, in Kairo und Alexandria. Ägypten ist ein "junges" Land, denn mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 14 Jahre. Die Bevölkerung wächst rasch, jedes Jahr werden etwa 1,2 Millionen Kinder geboren. Dadurch entsteht ein gewaltiger Druck auf die Wirtschaft wie auch auf das dicht bevölkerte Siedlungsland. Fühlen sich die Bewohner des Landes als Nachfahren der alten Ägypter? Immer wieder haben sich Historiker gefragt, was mit den alten Ägyptern geschehen ist. Sind sie im Lauf der Jahrtausende verschwunden, sind sie aufgegangen in der Vermischung mit anderen Völkern? Und gibt es noch direkte Nachfahren der alten Ägypter? Tatsächlich haben Wissenschaftler mit genetischen Studien herausgefunden, dass das Ägyptische Volk nahezu unverändert geblieben ist. Und das, obwohl viele fremde Völker wie Griechen, Römer, Berber und Araber in Ägypten eingedrungen sind! Die nächsten verwandten Völker sind die Berber, die hauptsächlich westlich von Ägypten leben und Araber, die östlich von Ägypten siedeln.

Trotzdem behaupten zwei Völker im Land, dass nur sie die wahren Nachfahren der alten Ägypter sind. Dazu zählen die koptischen Christen, die eine Minderheit in dem islamischen Land sind.

Mehr über die Kopten

Auch die Bedscha behaupten, dass sie von den alten Ägyptern abstammen.

Mehr über die Bedscha

Sprachen

Gibt es noch eine ägyptische Sprache? In abgewandelter Form ja. Und zwar in der Sprache der Kopten. Sie stellt die jüngste Entwicklungsstufe des Ägyptischen dar. Heute weiß man, dass das Ägyptische sogar die Sprache ist, die von allen Sprachen über den längsten Zeitraum hinweg schriftlich belegt ist, nämlich über sagenhafte 5 000 Jahre hinweg. Ein Stein spielt eine besondere Rolle für das Ägyptische, der Stein von Rosette. Dieser Stein wurde 1799 gefunden und enthält ein Dekret eines ptolemäischen Königs in fünf verschiedenen Sprachen. Durch einen Vergleich der Sprachen konnte man viele altägyptische Texte übersetzen und verstehen. Auf der Abbildung rechts siehst du den Stein, eingefügt in eine Stele, wie sie damals ausgesehen haben könnte. Heute ist arabisch die Amtssprache in Ägypten, damit drücken die Ägypter aus, dass sie sich der arabischen Welt zugehörig fühlen. Im Alltag wird eine Art ägyptisches Arabisch gesprochen, eine Mischform aus beiden Sprachen. Jedoch sprechen viele Ägypter auch französisch und englisch. Diese europäischen Sprachen sind ein Erbe der Kolonialzeit.  

Ägypten ist ein islamisches Land

Der Islam ist seit 642 nach Christus die vorherrschende Religion in Ägypten. Wie überall in Nordafrika ist es der sunnitische Islam, der sich durchgesetzt hat. Auch in der heutigen Flagge von Ägypten kann man die Verbundenheit mit dem Islam erkennen. Ganz oben links siehst du die Flagge Ägyptens. Sie zeigt drei waagerechte Streifen in Rot, Weiß und Schwarz mit dem goldenen Adler Saladins. Rot erinnert an die Kämpfe der Revolution und das dabei vergossene Blut, Weiß steht für eine strahlende Zukunft und Schwarz für die dunkle Vergangenheit. Der Adler ist das Symbol des Sultans Saladin und eine Idolfigur der Arabischen Einheit. Der Islam hat das gesellschaftliche Leben und die Kultur in Ägypten stark verändert. Vor allem die gesellschaftliche Stellung der Frau hat unter dem Islam gelitten.

 

Frauenrechte und Bildung

Um die Frauenrechte ist es in Ägypten schlecht bestellt. Frauen in Ägypten haben nur wenig Rechte. Die Familie und später der Mann bestimmt darüber, was Frauen tun und welchen Beruf sie ergreifen. Arbeiten gehen lediglich die Männer. Das hat einen einfachen Hintergrund. Ägyptische Männer möchten nicht, dass ihre Frauen in der Öffentlichkeit gesehen werden. Das Leben von Männern und Frauen ist strikt getrennt. Der Platz der Frauen ist in der Familie. Auf dem Land sind Frauen oft verschleiert. In den Städten tragen die jungen Ägypterinnen meist ein Kopftuch. Öffentliche Verkehrsmittel werden von Frauen und Männern getrennt genutzt. In den Cafes sieht man fast nur Männer. Das ändert sich langsam, denn immer mehr Frauen ergreifen einen Beruf und sind unabhängig. Mädchen werden in der Bildung benachteiligt, denn die Erwachsenen denken, dass Mädchen ja später heiraten und Kinder bekommen. Warum also soll man in ihre Bildung investieren?  So kommt es, dass vor allem auf dem Land viele Ägypterinnen weder lesen noch schreiben können.

Beschneidung und Zwangsheirat

Über 90 Prozent der Frauen sind beschnitten, obwohl diese schreckliche Tradition seit 2008 verboten ist. Laut Unicef hat Ägypten eine der höchsten Beschneidungsraten auf der Welt. Nur in Guinea, Somalia und Dschibuti ist die Rate noch höher. Obwohl seit 2008 das Mindestalter für die Verheiratung von Mädchen von 16 auf 18 angehoben wurde, wurden laut einer Studie im Jahr 2009 immer noch 9’300 Mädchen im Alter von 12 bis 18 zwangsverheiratet. Inoffiziell geht man von einer weit höheren Zahl aus. Die Männer sind dabei oft viel älter.