Leben im Sudd

Der Sudd wird gebildet durch den Nil und seine Zuflüsse. Er liegt in Südsudan und gehört zu den größten Sumpfgebieten weltweit. Der Nil fließt in dieser Ebene sehr langsam und ist nicht an ein bestimmtes Flussbett gebunden. So kann er sich mit verschiedenen Flussarmen in ein gigantisches Sumpfgebiet verbreitern. Je nach Wasserstand und Regenmengen werden zeitweise große Grasflächen überschwemmt. Dadurch ist die gesamte Region nur noch im Boot passierbar.

Ein Sumpfgebiet so groß wie Belgien

Der Sudd ist in Trockenzeiten über 30 000 km² groß. In der Regenzeit wird seine Fläche verdreifacht, so dass er fast so groß ist wie ganz Belgien. Die Wassermassen des Weißen Nil strömen aus Uganda ins Land und ergießen sich in die weite Ebene zwischen den Städten Bor, Wau und Bentiu. Die Sümpfe ziehen Menschen und Tiere an. Sie sind Brutgebiet für vielfältige Insekten und Amphibien, die wiederum ein Paradies für Vögel bilden.

 

Der Sudd ist die fruchtbarste Landschaft in Südsudan

Der Sudd gilt als die fruchtbarste Zone des Landes. Hier wachsen dichte Papyrussümpfe und Grasfluren. Die Nuer betreiben Rinderzucht am Ufer des Sudd. Sie leben in Pfahldörfern. Die Männer gehen auf Fischfang, denn die Sümpfe sind reich an vielfältigsten Fischarten. Auf den Sumpffeldern wachsen Hirse, Mais, Sesam und Erdnüsse. Im Sudd liegt auch der Boma-Nationalpark. Im Schwemmland leben Nilpferde, Gazellen, Giraffen, Zebras und Büffel. Elefanten ziehen auf ihrer Wanderschaft durch die Sümpfe.

 

Die Sümpfe sind Zuflucht für Flüchtlinge

Im Bürgerkrieg bieten die Sümpfe immer wieder Schutz für tausende Flüchtlinge, weil Milizen und Regierungstruppen die unbewohnten Inseln in der nassen Landschaft meiden. In der Gegend kommt man nur in Kanus voran. Cholera, Malaria und andere Krankheiten drohen durch verschmutztes Wasser oder Mücken. Trotzdem ist der Sudd eine wichtige Kulturlandschaft. Manche Geschichtsforscher glauben, dass die riesigen Papyrussümpfe eine wichtige Voraussetzung für das altägyptische Reich bildeten.