Der Islam erobert Afrika

Abnehmender Mond mit Stern, Symbol des Islam (c) wikicommons

Der Halbmond mit Stern gilt heute als bekanntes Symbol des Islam und findet sich auf vielen Flaggen nordafrikanischer Länder. Allerdings stammt dieses Symbol nicht aus den Anfängen des Islam. Es wurde erst viele Jahrhunderte später, besonders durch das Osmanische Reich, mit islamischen Staaten verbunden.

Die Entstehung des Islam

Die Apokalypse des Mohammed - Bild von Herkat um 1436 (c) wikicommons

Das Jahr 622 n. Chr. markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Islam. In diesem Jahr wanderte der Prophet Mohammed ibn Abd Allah von Mekka nach Medina aus. Dieses Ereignis wird als Hidschra bezeichnet und bildet den Beginn der islamischen Zeitrechnung. Mohammed, der als Kaufmann tätig war, berichtete von Offenbarungen, die er nach islamischem Glauben durch den Erzengel Gabriel empfing. Diese Offenbarungen wurden nach seinem Tod im heiligen Buch des Islam, dem Koran, gesammelt. Von der Arabischen Halbinsel aus breitete sich der Islam in den folgenden Jahrhunderten rasch aus und erreichte auch Nordafrika .

Mohammed und Afrika

Mohammed mit seinen Jüngern - Gemälde von Abu Rayhan al Biruni (c) wikicommons

Zwischen der Arabischen Halbinsel und Afrika bestanden bereits vor der Entstehung des Islam enge Handelsbeziehungen über das Rote Meer. Besonders das christliche Königreich Abessinien, das heutige Äthiopien, spielte eine wichtige Rolle. Einige der ersten Anhänger Mohammeds suchten Schutz in Abessinien, wo der christliche Herrscher ihnen Asyl gewährte. Eine wichtige Persönlichkeit war Bilal ibn Rabah, ein ehemaliger äthiopischer Sklave. Er wurde einer der engsten Gefährten Mohammeds und gilt als der erste Muezzin des Islam.

Der Islam erreicht Nordafrika

Mohammed unterwirft den jüdischen Stamm Banu Nadir, Zeichnung 14. Jahrhundert (c) wikicommons

Im Jahr 639 begann die muslimische Eroberung Ägyptens unter dem Feldherrn Amr ibn al-As. Ägypten gehörte damals zum Byzantinischen Reich.

Nach der Eroberung gründete Amr ibn al-As die Stadt Fustat, die erste islamische Hauptstadt Ägyptens. Dort ließ er auch die erste Moschee Afrikas errichten. Das heutige Kairo entstand erst später in der Nähe dieser Stadt. In den folgenden Jahrzehnten breitete sich die muslimische Herrschaft entlang der nordafrikanischen Mittelmeerküste aus. Dabei trafen die arabischen Eroberer auf den Widerstand der Berbervölker. Viele Berber nahmen später den Islam an und spielten selbst eine bedeutende Rolle bei seiner weiteren Verbreitung.

Mehr zur Geschichte Ägyptens nach dem Pharaonenreich

Die Ausbreitung des Islam in Westafrika

Moschee in Chinguetti (c) Francois Colin

Bereits ab dem 8. Jahrhundert gelangte der Islam durch Handelskontakte über die Sahara nach Westafrika. Arabische und berberische Händler brachten nicht nur Waren wie Salz und Gold, sondern auch religiöse und wissenschaftliche Kenntnisse mit. Zahlreiche Herrscher westafrikanischer Reiche übernahmen den Islam.

Wichtige Zentren islamischer Bildung entstanden, darunter Timbuktu im heutigen Mali und Chinguetti im heutigen Mauretanien. Dort entwickelten sich bedeutende Schulen, Bibliotheken und Moscheen.

Die Islamisierung der breiten Bevölkerung erfolgte jedoch langsam und dauerte mehrere Jahrhunderte.

Die Almoraviden und ihre Expansion

Das Reich der Almoraviden (c) Alexandrre Vigo

Im 11. Jahrhundert entstand das Almoravidenreich im Gebiet des heutigen Marokko und Mauretaniens. Die Almoraviden verbanden religiöse Reformen mit militärischer Expansion. Sie eroberten große Teile Nordwestafrikas und griffen auch auf die Iberische Halbinsel über, wo sie muslimische Herrschaftsgebiete in Spanien unterstützten. Ihre Herrschaft hinterließ bis heute sichtbare Spuren in Architektur und Kultur.

Islamische Reformbewegungen in Westafrika

Im frühen 19. Jahrhundert führte der Gelehrte Usman dan Fodio religiöse und politische Reformbewegungen in den Hausa-Staaten an. Er kritisierte soziale Ungerechtigkeit und gründete das Sokoto-Kalifat, das zu einem der bedeutendsten islamischen Staaten Westafrikas wurde.

Der Islam an der Ostküste Afrikas

Fort Sansibar (c) Matthias Krämer

Auch an der ostafrikanischen Küste verbreitete sich der Islam ab dem 8. Jahrhundert durch arabische und persische Händler. Städte wie Sansibar, Mombasa und Kilwa entwickelten sich zu wichtigen Handelszentren. Dort entstand die Swahili-Kultur, eine Verbindung afrikanischer und islamischer Einflüsse. Durch den Handel mit Indien, Persien und China wurde die ostafrikanische Küste zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Zentrum.

Bedeutung des Islam in Afrika heute

Heute ist der Islam eine der vorherrschenden Religionen Afrikas. Besonders in Nordafrika ist er prägend für Kultur, Gesellschaft und Geschichte. Seine Verbreitung erfolgte nicht nur durch Eroberungen, sondern auch durch Handel, Bildung, kulturellen Austausch und die Arbeit von Gelehrten.

Muslime und Islamisten – was ist der Unterschied?

Muslime sind Menschen, die dem Islam angehören. Die große Mehrheit lebt ihren Glauben friedlich und respektiert die Gesetze ihres Landes sowie die Rechte von Menschen anderer Religionen.

Islamismus bezeichnet dagegen eine politische Ideologie, die den Islam nicht nur als Religion versteht, sondern auch als Grundlage für Staat und Gesellschaft durchsetzen will. Einige islamistische Gruppen versuchen, ihre Ziele mit Gewalt zu erreichen. Solche gewaltbereiten Gruppen werden als extremistisch oder terroristisch bezeichnet.

In einigen Regionen Afrikas, besonders in den Sahel-Staaten zwischen Nord- und Westafrika, sind in den vergangenen Jahren islamistische Gruppen aktiv geworden. Dazu gehören Länder wie Mali, Niger, Burkina Faso und Teile Nigerias. Dort kommt es immer wieder zu Anschlägen und bewaffneten Konflikten.

Auch in Ostafrika, besonders in Somalia und teilweise in Kenia, sind islamistische Terrorgruppen aktiv. Sie versuchen, politische Macht zu gewinnen und ihre Vorstellung eines Staates durchzusetzen, der auf ihrer Auslegung der Scharia beruht.

Es ist wichtig zu unterscheiden: Islam ist eine Weltreligion mit über einer Milliarde Anhängern. Islamismus ist eine politische Ideologie, die nur von einer kleinen Minderheit vertreten wird. 

Was ist die Scharia?

Islamic Gallery im British Museum (c) wikimedia

Das Wort Scharia stammt aus dem Arabischen und bedeutet ursprünglich „der Weg“ oder „der Pfad“. Im Islam bezeichnet es die Gesamtheit der religiösen und ethischen Regeln, die das Leben der Gläubigen leiten sollen. Die Scharia umfasst Vorschriften zu religiösen Pflichten wie dem täglichen Gebet, dem Fasten im Ramadan, der Unterstützung Bedürftiger und der Pilgerfahrt nach Mekka. Darüber hinaus enthält sie Regeln für das Zusammenleben der Menschen, zum Beispiel in Familienangelegenheiten, im Handel und im Strafrecht.

Für viele Muslime gilt die Scharia als Orientierung, die auf dem Willen Gottes beruht. Ihre konkrete Auslegung wurde jedoch im Laufe der Jahrhunderte von islamischen Rechtsgelehrten entwickelt. Dabei entstanden unterschiedliche Rechtsschulen, die einzelne Vorschriften verschieden interpretieren. Heute spielt die Scharia in vielen muslimisch geprägten Ländern eine unterschiedliche Rolle. In einigen Staaten beeinflusst sie vor allem das Familienrecht, in anderen ist sie auch Grundlage weiterer Teile des Rechtssystems. Wie die Scharia angewendet wird, hängt von der jeweiligen Gesellschaft, ihrer Geschichte und ihren Gesetzen ab.