Die Geschichte von Tunesien

Reiterheere der Berber - Gemälde von Edouard Detaillle, 1886 (c) NYPL digital gallery

Die Berber waren die ursprünglichen Bewohner des heutigen Tunesiens. Sie selbst waren keine Seefahrernation, doch es gab seefahrende Mittelmeervölker, die Handel treiben  und die Küstengebiete der Berber besetzen wollten. Über die Jahrtausende mussten sich die Berber gegen die Überfälle kriegerischer Großreiche aus dem Osten und Norden erwehren. Die Phönizier waren die ersten, die die Berber verdrängen wollten. Das Seefahrervolk aus dem Osten gründete um 1000 v. Chr. erste Siedlungen an der tunesischen Küste. Die Berber zogen sich in das gebirgige Hinterland zurück. Um 600 v. Chr. errichteten die Phönizier die Handelsmetropole Karthago. Zu Karthago gehörte ein großes, sehr fruchtbares Hinterland. Es war die Kornkammer der Phönizier.

Die punischen Kriege - Streit um Karthago

Das Römische Reich und Karthago (c) Map MasterDas noch junge römische Reich hatte ein Ziel. Es wollte seine Herrschaft über den gesamten Mittelmeerraum ausdehnen. Im Weg standen ihnen dabei die Phönizier, die mit ihren kleinen wendigen Flotten ihren Schiffen überlegen waren. Rom lernte vom Schiffsbau der Phönizier und rüstete seine Flotten um. Sie hatten es besonders auf das phönizische Handelszentrum Karthago abgesehen. Ab 264 v. Chr. bekämpften Rom und Karthago einander in drei Kriegen, den sogenannten punischen Kriegen. Keine Macht war zu einem Kompromiss bereit, jeder versuchte den anderen zu vernichten.

Hannibal bringt das Römische Reich zum Wanken

Hannibal überquert mit seinen Kampfelefanten die Alpen _ Quelle unbekannt (c) wikicommonsIm zweiten punischen Krieg spielte der geniale Feldherr Hannibal aus Karthago eine Schlüsselrolle. Er zog mit seinen Truppen und einer Schar von Kampfelefanten gegen Rom. Er überwand das Mittelmeer, die Rhone und die Alpen. Es war eine unglaubliche Leistung - für Mensch und Tier. Der Feldherr führte 37 Kriegselefanten mit sich. Die abgerichteten "Kampfelefanten" waren kleine, wendige Waldelefanten aus Nordafrika. Sie waren nicht vertraut mit gebirgigem Gelände. Viele stürzten ab. Trotz des Verlustes brachte Hannibal mit seinen Heeren das Römische Reich an den Rand einer Niederlage. Doch die Römer schlugen zurück. Im dritten und letzten punischen Krieg 146 v. Chr. machten sie Karthago dem Erdboden gleich.

Das Land der Berber wird zur römischen Provinz Africa

Leptis Magna - Fragment mit einem römischen Schiff links und einem punischen Schiff rechts (c) Franzfoto Ein  Jahrhundert nach seiner Vernichtung wurde Karthago wieder aufgebaut und zur Hauptstadt der römischen Provinz „Africa“ erkoren. Die Berber wurden automatisch Teil des Römischen Reiches. Unter Augustinus wurden sie christianisiert. Ihr  fruchtbares Land rund um Karthago wurde zu einem der wichtigsten Lieferanten Roms für Weizen und Olivenöl.  Einwandernde Vandalen aus Europa gaben ein kurzes Gastspiel in Tunesien, bis Rom die Region ab 533 zurückeroberte. Auf den Ruinen von Leptis Magna finden sich noch Hinweise auf die Bedeutung des Schiffsbaus für den Krieg zwischen den damaligen Supermächten. Auf der linken Säule ist ein römisches Schiff abgebildet, auf der rechten Säule ein phönizisches Schiff.

Das Land der Berber wird arabisch

Die große Moschee von Kairouan (c) Agnes Komjathy

Um 670 fassten muslimische Araber Fuß in Nordafrika und setzten sich bald im gesamten tunesischen Gebiet durch. Sie erreichten auch das Hinterland. Die Berber bekämpften die Araber, doch schließlich mussten sie klein beigeben und sich zum Islam bekennen. Als Wahrzeichen für die  arabisch-islamische Vorherrschaft errichteten die Araber die große Moschee von Kairouan. Sie gilt als eine der ältesten Moscheen in Afrika. Dennoch konnten selbst die Araber keine dauerhafte Herrschaft in dem Gebiet der Berber errichten.

Almoraviden und Türken bedrängen das Reich

Ottoman_Army_Marching_On_The_City_Of_Tunis_In_1569_Sehnam-i_Selim_Han_by_LokmanIm Jahr 800 machten sich die Berber unabhängig vom arabischen Großreich. Damit war ihr Kampf gegen den Islamismus noch nicht zu Ende. Almohaden und Almoraviden aus dem Westen bedrängten das Reich. Wieder schüttelten die Berber die Fremdherrschaft ab. Dann wollten die Osmanen Tunesien unterwerfen. 1574 übernahm das Großreich der Osmanen die Herrschaft in dem nordafrikanischen Land. Ihr Ansturm auf die Stadt Tunis ist in dem Bild links festgehalten. Doch das osmanische Reich löste sich nach und nach auf. Anatolische Kleinfürsten, die Beys, traten an ihre Stelle.

Das Land der Berber fällt unter französisches Protektorat

Kämpfe vor der Küste von Algerien - Maler unbekannt (c) wikicommonsDann schlug die Stunde der europäischen Kolonialmächte. Frankreich hatte Algerien erobert und erhob nun auch Anspruch auf Tunesien. 1881 errichtete es ein Protektorat über Tunis. Das Protektorat bedeutete Besetzung, Ausbeutung und Bevormundung. Wieder wehrte sich das Volk erbittert gegen die Fremdherrschaft. Es kam zu blutigen Aufständen und Kämpfen. Auch die Franzosen mussten schließlich einsehen, dass die Völker Tunesiens nicht zu unterdrücken waren. Frankreich musste seine Kolonialherrschaft 1956 beenden. Tunesien wurde als eines der ersten afrikanischen Länder unabhängig. Auf dem Bild rechts siehst du französische Truppen vor der Küste von Algerien.