Die Dinka, das größte Volk in Südsudan

Die Dinka sind das größte Volk in Südsudan. Sie besiedeln die Hochebene des Landes rund um die Stadt Bor. Man schätzt, dass in Südsudan etwa 2,5 bis 3 Millionen Angehörige des Volkes leben. Ihr Name bedeutet „die Leute vom Volk“. Sie sind Viehhirten und züchten die prächtigen Zebu-Rinder. Während der Trockenzeit, die von Dezember bis Mai dauert, ziehen die Dinka mit ihren Zebu-Rindern aus den Hochebenen in die Sumpflandschaft des Weißen Nils. Diese Sumpflandschaft wird Sudd genannt, es sind die größten Sümpfe der Welt. Dort errichten sie ihre Viehlager. Sie schlafen sogar im Lager bei den Tieren. Am Lagerfeuer wärmen sie sich. Mit dabei sind immer Hunde und Ziegen. Mit weißer Asche schützen sie sich und ihre Tiere vor den Moskitos. Die Frauen und die Alten bleiben zurück in den Dörfern.

Die Dinka und ihre Rinder

Bekannt geworden sind sie durch ihre Rinder. Denn die Tiere besitzen gewaltige Hörner, die wie Mondsicheln geformt sind. Im Leben der Dinka stehen die Rinder im Mittelpunkt. Je mehr Rinder ein Dinka besitzt, um so geachteter ist er. Jedes Rind erhält einen Namen. Selbst wenn ein Dinka hundert Rinder besitzt, kennt er jedes davon mit Namen. Rinder dienen als Lebensgrundlage für die Familien. Rinder haben auch eine soziale und religiöse Bedeutung. Mensch und Tier sind eng verbunden. Das Initiationsritual der Dinka dreht sich um die Rinder: Den Jungen werden mehrere schmerzhafte Schnitte waagrecht in die Stirnhaut auf beiden Seiten über den Augenbrauen zugefügt. Dabei müssen sie ruhig bleiben. Von ihnen wird erwartet, dass sie Schmerzen ertragen können und Selbstbeherrschung üben. Nach zwei Wochen sind die Wunden verheilt. Dann kehren die Jungen ins Viehlager zurück und gelten als Männer. Die Jungen bekommen einen kastrierten Ochsen geschenkt, mit dem sie persönlich verbunden bleiben. Sie pflegen und schmücken ihn. In Gedichten preisen sie ihr Tier. In Tänzen imitieren sie die Rinder. Der Ochse muss übrigens genauso leiden. Ihm werden die Hörner mit einer Speerspitze beschnitten.

Schon gewusst? Die Zuchtwahl der Rinder richtet sich nicht nach dem Milchertrag, sondern nach der Form der Hörner und nach Farbe und Muster des Fells. In der Dinka-Sprache gibt es für jedes Muster eine eigene Bezeichnung. Nach dem Fell ihres Ochsen erhalten die jungen Männer ihren neuen Namen.

 

Die Lebensweise der Dinka

Dinka leben auf dem Land in weit verstreuten Einzelgehöften aus runden Lehmhäusern. Die Dächer sind mit Gras gedeckt. Ihr Vieh halten sie in Viehställen nahe bei ihren Gehöften. Die Frauen bebauen Felder in der Nähe ihrer Häuser. Sie bauen Hirse an und Gemüse. Hirsebrei und Hirsebier sowie Kuhmilch sind die Hauptnahrungsmittel. Daneben essen sie Fisch, Fleisch und in manchen Gegenden auch Reis. Rinder werden getauscht, als Brautpreis. Doch selten werden sie geschlachtet. Wenn Dinka ihre Rinder schlachten, dann als Opfer für die Götter. Die Dinka pflegen eine halbnomadische Lebensweise. Wenn nach zehn bis zwölf Jahren der Boden erschöpft ist, geben sie ihre Siedlung auf und errichten an einer günstigen Stelle eine neue Siedlung.

Woran die Dinka glauben

Die Dinka haben einen Hauptgott Nhialic, der manchmal auch als Regengott Deng verehrt wird. Denn Regen ist selten und doch sehr wertvoll. Darüber hinaus glauben die Dinka an niedrige Himmelsgottheiten, Erdgeister und ihre Ahnen. Diese unsichtbaren Kräfte werden verehrt und gefürchtet. Um die Gottheiten und Ahnengeister zu besänftigen, werden zu ihren Ehren Riten abgehalten und Opfer gebracht. Priester dienen als Vermittler zu den Geistern. Sie besitzen eine hohe Stellung in der Dinka Gemeinschaft. Der höchste Priester ist der "Meister des Fischspeeres". Jeder Dinka trägt auch im Alltag stets einen Speer. Auf Wanderschaft zu den Weidegebieten tragen sie zwei lange Speere, falls Löwen ihre Herde angreifen sollten. Fischspeere werden zu bestimmten Jahreszeiten zwar auch zum Fischfang benutzt.