Die Geschichte von Sierra Leone

Ehemalige Sklaven kehren zurück nach Sierra Leone (c) Kitkatcrazy

Nach den Portugiesen erreichten englische Seefahrer und Händler die Küste von Sierra Leone. Sie planten, auf dem Gebiet einen Stützpunkt der britischen Handelsmarine zu gründen. Doch bald änderten sich die Pläne. Kurz nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg sollten hier ehemalige Sklaven eine neue Heimat erhalten. Ein Stück Land wurde gekauft, und 1787 wurde die erste Gruppe von 380 freien englischen Schwarzen auf der Halbinsel angesiedelt. Doch die meisten starben an Malaria, und der Plan wurde aufgegeben. Auf dem Foto rechts siehst du befreite Sklaven, die auf der Halbinsel ankommen.

Kolonialisierung

Lokaler Fürst Bai Bureh (c) Lieutenant Arthur Greer

Der Sklavenhandel an der Küste ging heimlich weiter, und viele Piraten begannen in dem Menschenhandel mitzumischen. Die britische Marine errichtete auf der Halbinsel einen Stützpunkt, um den Sklavenhandel einzudämmen. Ein zweiter Versuch wurde unternommen, um ehemalige Sklaven auf der Halbinsel von Freetown ansässig zu machen. Diesmal gelang das Experiment. Zur gleichen Zeit versuchte das britische Königreich, das Gebiet zu kolonisieren. Die Briten erklärten es 1908 als britisches Protektorat und erhoben Steuern. Die einheimischen Völker konnten die Abgaben nicht bezahlen, sie waren viel zu hoch. Die afrikanischen Fürsten in der Region schlossen sich zusammen und zogen in den Kampf gegen die Europäer. Sie konnten gegen die gut gerüsteten britischen Armeen nicht viel ausrichten und verloren den Kampf. Es dauerte noch sechzig Jahre, bis das Land endlich seine Unabhängigkeit erhielt. Am 27. April 1961 erhielt Sierra Leone seine Unabhängigkeit. Auf dem Foto links siehst du den afrikanischen Fürsten und Kriegsherren Bai Bureh vor seinem Gehöft.

Der Bürgerkrieg in Sierra Leone

Ishmael Beah auf einer Leseveranstaltung (c) j nygren

Nach mehreren Militärputschen wurde 1971 in Sierra Leone die Republik ausgerufen. Doch das Land kam nicht zur Ruhe. 1989 war im Nachbarland Liberia ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Die Rebellen griffen über auf Sierra Leone, um die reichen Diamantvorkommen des Landes zu erobern. Viele Bürger in Sierra Leone schlossen sich den Rebellen an. Mit den erbeuteten Diamanten kauften sie Waffen und kämpften gegen die Regierung. Sie bewaffneten sogar Kinder und zwangen sie dazu, mit ihnen Krieg zu führen. Sie verübten schlimme Gräueltaten an der Zivilbevölkerung, um sie einzuschüchtern. Fast 700.000 Menschen verließen ihre Heimat und flohen in Nachbarstaaten. Auf dem Foto rechts siehst du Ishmeal Beah, der einst als Kindersoldat mit den Rebellen kämpfte. Er hat ein Buch über seine schlimme Zeit als Kindersoldat in Sierra Leone geschrieben.

Waffen für Diamanten

Sierra Leone, Wahlen 1968 (c) John Atherton

Der Bürgerkrieg wurde durch den illegalen Handel mit Diamanten bestritten. Man nannte diese „Blutdiamanten“, weil damit Waffen gekauft und die Zivilbevölkerung niedergemetzelt wurde. Zehn Jahre dauerte der grausame Bürgerkrieg. Er wurde erst durch das Eingreifen der Vereinten Nationen und Großbritanniens beendet. Am 18. Januar 2002 wurde im Rahmen einer Feierstunde im Nationalstadion das offizielle Ende des Rebellenkrieges verkündet. Dabei wurden mehrere tausend Waffen verbrannt.