Geschichte der Republik Kongo

Pygmäen (c) Salomé, survival internationalDie Pygmäen sind die ältesten Bewohner Zentralafrikas und des Kongos. Noch heute leben sie in ähnlichen Gemeinschaften wie zu den Urzeiten der Erde. Bantuvölker besiedelten vor etwa 7000 Jahren das Kongobecken, das bezeugen Werkzeuge und einfache Töpferarbeiten. Im Unterschied zu den Pygmäen, die durch die Wälder zogen, waren die Bantu sesshaft. Sie konnten Eisen bearbeiten und Ackerbau betreiben. Um 1000 vor Christus war das Kongogebiet so bevölkert, dass einige Sippen aufbrauchen und sich über das östliche und südliche Afrika ausbreiteten. Etwa 1000 nach Christus organisierten sich die Menschen Zentralafrikas zu kleinen Gemeinschaften. Viele spezialisierten sich auf irgendein Gebiet wie Feldbau, Fischfang, Werkzeugherstellung oder Kupferabbau. Mit der Entwicklung des Handels und der wachsenden Bevölkerung bildeten sich frühe Königreiche. Das größte war das Reich der Mani Kongo.

Das Königreich Kongo

König von König mit Untertanen (c) vor 1850, Maler unbekanntDurch den Handel mit Textilien aus dem Bast der Raffiapalme gewann das Königreich Kongo ab dem 1400 Jahrhundert an Bedeutung. Das Königreich erstreckte sich über das heutige Kongogebiet und Angola. Es war so groß, das es in sechs Provinzen unterteilt wurde. Als Gründervater gilt ein Schmied namens Ntinu Wene. Seine Nachfolger nannten sich Mani Kongo, König von Kongo. Ihr Hauptsitz lag in Mbanza Kongo, einer Stadt an der Grenze zum heutigen Angola. Etwa dreißigtausend Untertanen lebten in der Stadt rund um den Präsidentenpalast. Der Palast lag auf einem Fels am Ufer des Kongo. Er muss riesig gewesen sein. Besucher beschrieben ihn als etwa zwei Quadratkilometer großes, ummauertes Gelände mit Palisaden, festlich geschmückten Hütten und einladenden Gärten. Nur die Könige besaßen das Recht, Eisen zu schmieden und Waffen zu fertigen. Sie waren überaus mächtig. Der Mani Kongo saß auf einem Thron aus Holz und Elfenbein. Als Zeichen seiner Macht trug er eine Peitsche aus dem Schweif eines Zebras, einem mit Fellen und Tierköpfen behängten Gurt sowie einer kleinen Mütze aus dem Fell eines Leoparden. Seine Untertanen mussten sich ihm auf allen vieren nähern und durften ihm weder beim Essen noch beim Trinken zusehen. Taten sie es doch, drohte ihnen die Todesstrafe. Neben den Adligen und den „normalen“ Bürgern gab es auch Sklaven, durch Kriegsgefangenschaft, Verschuldung oder Bestrafung. Ähnlich wie im antiken Rom oder Griechenland konnten die kongolesischen Sklaven ihre Freiheit wiedergewinnen oder sich mit Freien verheiraten. Als die Europäer Arbeitskräfte brauchten, stiegen die Kongo-Könige in den Sklavenhandel ein. Kriegsgefangene konnten nicht mehr zu Freien werden. Statt dessen wurden sie wie eine Ware verkauft und als Arbeitskraft missbraucht.

Portugiesen und Franzosen fallen in den Kongo ein

File:Portuguese discoveries diogo cao.jpgAb 1480 erkundeten portugiesische Seefahrer die Küsten Westafrikas. Diogo Cao war der erste, der den Boden des Kongoreiches betrat. Er knüpfte  Handelsbeziehungen zum Königreich Kongo. Sie hatten die Inseln Sao Tomé und Principe besiedeltet und brauchten Arbeitskräfte für die Bewirtschaftung der Zuckerrohrplantagen. Das Königreich Kongo lieferte bereitwillig Sklaven, meist Kriegsgefangene aus anderen Köngreichen. Fünfzig Jahre später hatten die Portugiesen Kolonien in der Neuen Welt - in Lateinamerika - errichtet. Sie begannen, afrikanische Sklaven nach Brasilien zu transportieren. Warum? Sie hatten die Ureinwohner Brasiliens unterworfen und gezwungen, auf den Plantagen zu arbeiten. Doch die einheimische Bevölkerung starb unter den harten Bedingungen der Sklaverei. Deshalb brachten die Portugiesen Millionen von afrikanischen Gefangenen nach Lateinamerika. Sie galten als widerstandsfähige Arbeiter, die weniger krankheitsanfällig waren als die brasilianischen Ureinwohner.

Der Kongo wird missioniert

Im Jahr 1766 setzte die französische Mission ein. Missionare verbreiteten das Christentum unter den Völkern, die in Küstennähe lebten. Bald drangen sie entlang der Flüsse ins Landesinnere vor. Bereits 1506 wurde ein zum Christentum bekehrter Kongolese König von Kongo. Er nannte sich Afonso I. und begründete 1506 eine Dynastie, die sich immer mehr den Wünschen der europäischen Botschafter und Händler anpasste. Die Missionare bauten Kirchen und richteten Schulen ein. Die Bevölkerung lehnte die neue Religion ab. Doch sie hatte nichts zu sagen. Schlimmer noch: Der König lieferte den Kolonialherren aus Europa Sklaven als Gegenleistung für die Modernisierung seines Reiches. Als die Europäer immer gieriger nach Sklaven verlangten, verwies sie Afonso des Landes. Das Kongoreich verfiel allmählich, denn es war wirtschaftlich von Portugal abhängig geworden. Die Portugiesen sannen auf Rache. In der Schlacht von Ambuila besiegte die portugiesische Armee 1665 das kongolesische Heer. Das einst mächtige Kongo-Reich ging unter.

Das Gebiet nördlich des Kongo wird französische Kolonie

1875 begann der Franzose Pierre Brazza das Kongogebiet zu erforschen. Franzosen und Abgesandte des belgischen Königs lieferten sich einen Wettstreit um das Kongobecken. Brazza gründete am nördlichen Ufer des Pool Malebo einen Militärposten, aus dem die Stadt Brazzaville entstand. Im Jahre 1883 wurde an der Küste die Hafenstadt Pointe Noire gegründet. Die Belgier eroberten das Gebiet südlich des Kongo, die Franzosen sicherten sich die Herrschaft über das Gebiet nördlich des Kongo. Das Land wurde eine französische Kolonie. Die Franzosen herrschten fast 80 Jahre über das Gebiet. Erst im Jahre 1960 erhielt die Republik Kongo seine Unabhängigkeit von Frankreich.

Kongo wird eine unabhängige Republik

http://www.dw.de/image/0,,1507601_4,00.jpgMit der Unabhängigkeit begann eine Zeit des Experimentierens. Zunächst wurde das Land von einer Militärdiktatur beherrscht. Die Bevölkerung war enttäuscht. Sie hatte nicht gegen die Kolonialherrschaft gekämpft, um von einer Elite im Land unterdrückt zu werden. Der Ruf nach freien Wahlen wurde laut. 1992 fanden die erste freie Wahlen statt. Ein demokratisches Mehrparteiensystem setzte sich durch. Dennoch glaubten einige, dass bei der Auszählung der Wahl geschummelt wurde. Sie schlossen sich zu Rebellengruppen zusammen und kämpften gegen die neuen Machthaber. Drei Bürgerkriege erschütterten das Land in den Jahren zwischen 1990 und 2000. Rebellengruppen, die sich Ninja-Kämpfer nannten nach dem Vorbild japanischer Krieger, lieferten sich mit Regierungstruppen erbitterte Kämpfe. Die Kriege kosteten tausende Menschenleben. Ein Viertel der Bewohner floh aus dem Land. Die Rebellen unterlagen schließlich. Im März 2003 stimmten sie einem Friedensvertrag zu. Doch im Süden des Landes brechen immer neue Unruhen aus.