Die Völker Nigerias

Nigeria ist ein Vielvölkerstaat. Mehr als 400 verschiedene Volksgruppen sind in Nigeria beheimatet. Die größten Völker sind die Hausa-Fulani, die im Norden leben, die Kanuri im Nordosten, die Yoruba und Edo im Südwesten und die Igbo im Südosten sowie die Ogoni und Ijaw im Nigerdelta. Auf dem Foto unten siehst du spielende Kinder in Zaira, in Nordnigeria. Typisch für den Norden sind die Lehmbauten.

                             

Die Zugehörigkeit zu einem Volk ist in Nigeria sehr wichtig. Denn die meisten Nigerianer identifizieren sich mit ihrer Volksgruppe und ihrer Religion, und nicht so sehr mit ihrer Nationalität. Die Völker im Norden gehören dem Islam an, die Völker im Süden von Nigeria sind überwiegend christlich. Die Macht zwischen den verschiedenen Völkern ist nicht gleich verteilt, kleine Völker sind politisch benachteiligt. Das hat früher zu Bürgerkriegen geführt und belastet auch heute noch das gesellschaftliche Zusammenleben.

Die Igbo

Die Igbo leben in den Savannen im Südosten von Nigeria. Ihr Gebiet liegt östlich vom Unterlauf des Niger. Die Mehrzahl sind Fischer oder Bauern. Hauptsächlich wird Yams und Maniok angebaut. Die Igbo sind bekannt als Individualisten. Jeder muss sich selbst seinen Platz und seinen Rang in der Gemeinschaft erarbeiten. Als Landwirte sind sie vom Wetter abhängig. Dadurch haben sie gelernt, praktisch zu handeln und zu wirtschaften. Wenn ein Igbo besondere Ehren oder einen Titel erringen will, muss er etwas von seinem Besitz investieren. Das geschieht meist in der Verbesserung gemeinschaftlicher Dinge wie ein besseres Schulhaus oder ein größeres Gemeindehaus. So kommt es, dass es bei den Igbo keine sehr reichen oder sehr armen Menschen gibt. Die Igbo hatten bis ins 19. Jahrhundert sehr unter dem Sklavenhandel zu leiden. Um 1900 setzte sich im ganzen Igbo-Gebiet die britische Kolonialverwaltung durch. Heute sind die Igbo neben den Yoruba und den Hausa das drittgrößte Volk in Nigeria.

Die Igbo-Gemeinschaften sind bekannt für ihre demokratischen Verhältnisse. Die Siedlungen und Dörfer verwalten sich selbst, es gibt keine zentrale Autorität. Jede Großfamilie gilt als unabhängige Einheit, die von einem Ältesten geführt wird. Die Angelegenheiten der Dorfgemeinschaft werden von einem Ältestenrat beschlossen. Diesem Rat gehören sowohl Männer als auch Frauen an. Jungen und Mädchen helfen gleichermaßen in der Landschwirtschaft mit. Die meisten Igbo sind Christen, doch pflegen sie daneben ihre traditionelle afrikanische Religion. In ihrer traditionellen Religion besitzt der „Herr der Erde“ das höchste religiöse Ansehen. Er sichert als Priester der Erdgöttin Ala die Fruchtbarkeit des Landes. Der Erdgöttin steht als ihr Gemahl der Himmelsgott Chi zur Seite. Neben den Hauptgöttern verehren die Igbo noch zahlreiche Nebengötter und Geister. Besondere Bedeutung hat auch der Ahnenkult. Bei Bestattungen und Festen treten Maskentänzer auf, die in Geheimgesellschaften zusammengeschlossen sind.

Die Yoruba

Die Yoruba leben vor allem in den südwestlichen Bundesstaaten von Nigeria und in Lagos. Charakteristisch für ihre Kultur ist die frühe Gründung von Städten. Bereits im Mittelalter zählten die größten Städte 100.000 Einwohner. Heute liegen in ihrem Siedlungsgebiet 22 der 50 größten Städte von Nigeria. Dort entstand auch das sagenumwobene Königreich von Ilé Ife. Die Yoruba sind vermutlich Nachfahren der Nok Kultur, die als erste westafrikanische Kultur die Eisenverarbeitung beherrschte. Die Yoruba wurden im Zuge der Kolonialisierung zum christlichen Glauben bekehrt. Doch viele pflegen noch ihren traditionellen Glauben. Darin gibt es einen Himmel, und einen obersten Schöpfer. Olodumare wird als der Schöpfer der universellen Lebensenergie verehrt. Daneben werden Nebengötter und auch die Ahnen verehrt. Sie werden als Vermittler zu dem obersten Schöpfer betrachtet. Mit Gebeten und Opfergaben sollen die Ahnen das Schicksal der Lebenden zum Guten wenden. Zur Religion der Yoruba gehört auch der Voodoo Glaube, den man heute noch in verschiedenen Ländern Afrikas und Amerikas findet.

Die Yoruba pflegen seit jeher ihre Kampfkünste, und jeder Junge wird von Kind an darin unterrichtet. Die Jungen müssen diese Künste beim Eintritt in die Erwachsenenwelt beweisen. Dazu zählen Reiten, Schwimmen und die Jagd. Etwas Besonderes für die männliche Ehre ist das Yoruba-Ringen. Während des ganzen Jahres üben die Jungen und die erwachsenen Männer das Ringen. Im Laufe des Jahres werden dann große Wettkämpfe abgehalten, bei denen alle zusammen kommen. Diese Wettkämpfe sind sehr wichtig für die jungen Männer. Denn durch einen Sieg erlangen die Teilnehmer hohes Ansehen und Ruhm. In früheren Zeiten bestimmten solche Siege sogar den zukünftigen Rang des Kämpfers, ob er Häuptling wurde oder Krieger blieb.

Die Hausa 

Die Hausa leben im Norden von Nigeria und im Südosten von Niger. Sie gehören zu den prägenden Völkern in Westafrika. Sie sind bekannt für ihre beeindruckenden Lehmbauten. Die Stadt Kano mit fast zweieinhalb Millionen Einwohnern gilt als Zentrum der Hausa. Ihre Sprache ist das Hausa. Ihre Religion ist der Islam, die meisten sind Sunniten. Die ehemaligen Staaten der Hausa waren aristokratisch organisiert. Als Gründungsvater gilt Bayajidda. Jeder, der seine Herkunft auf den Gründungsvater Bayajidda zurückverfolgen kann, zählt zur königlichen Familie und genießt große Privilegien. Doch die meisten Hausa leben in einfachen Verhältnissen. Viele leben von der Rinderzucht. Der Besitz von vielen Rindern gilt als Zeichen von Wohlstand. Schon Kinder im Alter von 5 und 6 Jahren hüten die Rinder der Familie und lernen von früh auf alles über Viehwirtschaft.

Die Hausa gründeten sieben Staaten, jeder Staat erfüllte eine bestimmte Aufgabe. Die Städte Kano und Rano waren bekannt als „Chiefs of Indigo“. Die Hausa bauten seit jeher Baumwolle an und stellten damit Kleider her, die sie in ganz Westafrika handelten. Biram war der Regierungssitz. Zaria wurde durch die Organisation von Arbeitskräfte bekannt als „Chief of Slaves“. Katsina und Daura waren die „Chiefs of the Market“, da sie an den Handelsrouten aus der Sahara lagen. So konnten die Hausa am Handel in Nord- und Westafrika teilnehmen. Gobir im Westen war als „Chief of War“ bekannt. Die Stämme von Gobir mussten das Reich vor Eindringlingen aus Ghana und Songhai beschützen.

Bekannt sind die Hausa für ihre Liedtradition und ihre vielfältigen Instrumente, wie Trommeln, Fiedeln und Lauten. Die Kinder der Hausa lernen schon früh die Lieder und die Instrumente. Es gibt Preislieder für Herrscher, Liebeslieder und Lieder zu alltäglichen Themen. Die Fulbe sind ein Nomadenvolk, das über ganz Westafrika verstreut ist. Die Fulbe Frauen kleiden sich sehr farbenfroh, wie du auf dem Foto links sehen kannst.

 

 

Die Ogoni

Die Ogonie leben im Nigerdelta, das auch Ogoniland genannt wird. Die Welt wurde auf das Schicksal der Ogoni aufmerksam, als durch die rabiate Ölförderung des Shell-Konzerns die Küste und die Mangrovenwälder rund um das Nigerdelta zerstört wurden. Die Mangrovenwälder mit ihrer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt waren eine Lebensgrundlage für das Volk der Ogoni. Seit der Verseuchung durch die rücksichtslose Ölförderung gibt es fortwährend Streit zwischen den Ogoni und der nigerianischen Regierung, die wenig tut, um die Umweltzerstörung zu stoppen und die Mangrovenwälder zu erhalten.

Sprachen

In Nigeria werden über 400 Sprachen gesprochen und noch viel mehr Dialekte. Die Amtssprache des Landes ist Englisch. Als Verkehrssprachen gelten Hausa, Yoruba und Igbo, die Sprachen der drei Hauptvolksgruppen. In den Großstädten sprechen die Bewohner eine Art Pidgin, eine Mischsprache aus dem Englischen und verschiedenen Landessprachen.