Die Geschichte von Namibia

Felszeichnungen in Twyfelfontein (c) Schnobby

Namibia wurde bereits vor mehreren tausend Jahren von den Buschmenschen bewohnt. Etwa 600 vor Christus drangen Bantuvölker in das Gebiet ein. Sie befanden sich auf Wanderschaft und suchten neue Siedlungsgebiete. Es waren Ackerbauern, die die Eisenbearbeitung beherrschten und Waffen, Werkzeuge und Gerätschaften herstellen konnten. Dadurch waren sie den Buschmenschen überlegen und verdrängten sie aus ihren Jagdgründen.

Weiße Händler und Siedler aus Europa bemächtigen sich des Landes

Windhuk zu Beginn der deutschen Kolonialzeit - Gemälde von Rudolf Hellgrewe 1860 - 1935

Weiße Siedler aus den Niederlanden drängten im 17. Jahrhundert von Südafrika ins Land vor.  Sie nannten sich Buren, niederländisch für Bauern. Sie errichteten in der Gegend des heutigen Windhoek eine Siedlung, die später zur Hauptstadt Namibias wurde. Die junge Stadt wurde „windiges Eck“ genannt. Eine Kirche wurde gebaut, Läden eingerichtet, in denen die Siedler alles nötige kaufen konnten. Die Stadt begann allmählich zu florieren, wurde aber bald durch die einheimischen Völker Herero und Nama zerstört. Viele Jahre später wurde Windhoek wieder aufgebaut.

Namibia wird eine deutsche Kolonie

Südwest Reiter Denkmal in Windhoek (c) SwakoP1878 annektierte das Vereinigte Königreich die Walfischbucht. Eine deutsche Missionsgesellschaft hatte hier Fuß gefaßt und wollte die einheimische Bevölkerung zum Christentum bekehren. Schließlich hatte es den geschäftstüchtigen Händler Franz Adolf Eduard Lüderitz hier her verschlagen. Er kaufte größere Gebiete in Namibia. Gemeinsam mit der Missionsgesellschaft bereitete er den Boden für die Kolonisierung Namibias vor. Deutsch-Südwestafrika, das spätere Namibia,  wurde als deutsches „Schutzgebiet“ ausgerufen. Namibia wurde eine deutsche Kolonie. Die Allgemeine Zeitung, heute eine der größten Zeitungen Namibias, erinnert an die deutsche Kolonialzeit. Sie ist übrigens die einzige deutschsprachige Tageszeitung Afrikas.

Die Pferde von Namibia, ein Überbleibsel aus der deutschen Kolonialzeit

Der Herero-Aufstand

Samuel Herero (c) wikicommonsDas finsterste Kapitel in der deutschen Kolonialherrschaft war die Niederschlagung des Herero-Aufstandes. Die Herero waren Rinderzüchter in Südwestafrika. Soziale Unterdrückung, Ungleichbehandlung und Ausbeutung führten dazu, dass sich die Herero gegen die deutsche Kolonialmacht auflehnten. Seit 1883 waren die Herero und die Nama immer weiter von ihrem Land vertrieben worden. Ihre Rinderherden wurden immer kleiner, weiße Händler hauten sie übers Ohr und die deutschen Kolonialherren beschnitten ihre Rechte. Schließlich war die Situation so unerträglich, dass sich die Herero gegen die weißen Eindringlinge erhoben. Im Januar 1904 besetzten die Herero weite Teile des Landes, metzelten deutsche Siedler nieder, plünderten ihre Läden und raubten ihr Vieh. Die Deutschen reagierten mit brutaler Härte. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. schickte sogenannte "Schutztruppen" ins Land, die Rache an den Herero üben sollten. Es wurde ein schreckliches Gemetzel. Nur ein Drittel der Nama und Herero überlebten das Massaker. Die Überlebenden wurden in die Omaheke-Wüste getrieben und verdursteten und verhungerten dort elendig. Auf dem Bild siehst du den Hereroanführer Samuel Herero.

Namibia fällt unter südafrikanische Herrschaft

Briefmarke der UN für Namibia 1975 (c) NickpoDie deutsche Kolonialzeit endete im Mai 1915, als die Deutschen nach Europa abgezogen wurden. Denn Deutschland befand sich im Ersten Weltkrieg. Südafrikanische Truppen überschritten die Grenze zu Namibia und nahmen das Land ein. Südafrika wollte stärkste Macht im südlichen Afrika werden und wollte die Kontrolle über die wertvollen Diamantengebiete. Wie in Südafrika führten die Truppen auch in Namibia die Rassentrennung ein. Die neue Regierung entschied, alle schwarzen Einwohner aus ihren Wohngebieten umzuquartieren in Townships. Die schwarze Bevölkerung weigerte sich, ihre Wohnorte zu räumen. Sie organisierte Massendemonstrationen. Doch die südafrikanische Polizei griff hart durch. Menschen wurden erschossen. Ihnen zu helfen war verboten. Die Bevölkerung war empört! Die Briefmarken rechts im Bild liessen die United Nations drucken, um auf die unrechtmäßige Besetzung von Namibia aufmerksam zu machen.

Namibia kämpft für seine Unabhängigkeit

Namibianer feiern ihre Unabhängigkeit (c) unesco Die Namibier wehrten sich mit allen Mitteln gegen die neue Fremdherrschaft. Sie gründeten die SWAPO, die südafrikanische Befreiungsbewegung. Die Regierung liess sich von den Widerstandsbewegungen nicht aufhalten. Im Gegenteil! Bis Ende der 1980er Jahre setzte sie in sämtlichen Regierungsgebäuden und privaten Geschäften getrennte Eingänge für Weiße und Schwarze durch. Auf dem Höhepunkt ihrer unerbittlichen Rassenpolitik gab es in Südafrika erste versöhnliche Schritte zwischen der weißen Regierung und den einstigen Widerstandskämpfern. 1990 feierte Südafrika die Entlassung von Nelson Mandela aus dem Gefängnis. Die Apartheid wurde abgeschafft. Auch die schwarze Bevölkerung Namibias liess sich nun nicht mehr in die Homelands abschieben. Die Namibier wollten selbst über ihr Land bestimmen. Südafrika musste noch im selben Jahr Namibia in die Unabhängigkeit entlassen. Die Menschen in ganz Namibia feierten auf den Straßen, sie waren glücklich. Selbst heute noch wird der Tag der Unabhängigkeit mit großen Feiern und bunten Umzügen begangen.