Die Geschichte Mauretaniens

Chinguetti (c) Francois COLINDie Almoraviden errichteten an den Knotenpunkten der alten Handelsrouten Karawanenstädte. Eine almoravidische Stadt war Chinguetti, eine der sieben heiligsten Stätten des Islam. Die Stadt liegt im Landesinneren und wurde zum Treffpunkt der Pilger auf ihrem Weg nach Mekka. Heute leben etwa 5000 Einwohner in der Stadt. Wahrzeichen von Chinguetti ist die berühmte Freitagsmoschee, deren Minarett von fünf Straußeneiern bekrönt ist. Sehenswert sind fünf alte Bibliothken, in denen die geistigen Schätze des späten Mittelalters bewahrt werden.

Mauretanien zwischen Mittelalter und Neuzeit

Barein in Mauretanien (c) Ferdinand ReusMit Moscheen, Minaretten und den eng zusammenstehenden Wohnhäusern wurde Chinguetti zu einem Mittelpunkt der islamischen Kultur. In ihrer Glanzzeit eroberten die Almoraviden das Reich von Ghana. Über die Meerenge von Gibraltar stießen sie nach Europa vor und besetzten Teile von Spanien. Ihr Reich brach 1147 zusammen. Afrikanische Herrscherhäuser übernahmen das Ruder in den einstigen Moslemhochburgen und regierten bis ins 18. Jahrhundert hinein. Dann begann eine Radikalisierung des Islam. Mit Waffengewalt drangen weitere islamisierte Nomadenvölker wie die Fulbe immer weiter in Westafrika vor.

Die Kolonialzeit

Ein maurischer Krieger von William Merrit Chase (c) Brooklyn MuseumIm Inneren des Kontinents kämpften afrikanische Herrscherhäuser gegen arabische Dynastien. Etwa zu der Zeit machten sich europäische Missionare und Händler auf, um Afrika zu kolonisieren. Anfangs blieb Mauretanien von den Eroberungszügen der Europäer verschont, da die Küste Mauretaniens schlecht zugänglich war. Doch an der Wende zum 20. Jahrhundert drangen Franzosen vom Süden in das Land ein. Sie begannen die maurische Bevölkerung zu unterwerfen. Warum wollten die Franzosen über ein Gebiet herrschen, das zu Dreiviertel aus Wüste bestand? Die Franzosen hatten bereits die Länder im Norden und Westen von Mauretanien besetzt. Sie wollten verhindern, dass sich ein anderes europäisches Land dazwischen drängt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Mauretanien eine Überseeprovinz Frankreichs. Die Mauretanier unternahmen alles, um die Fremdherrschaft abwerfen. Nach vielen Aufständen und Kämpfen erhielt das Land 1960 seine Unabhängigkeit.