Die Geschichte von Kenia

Die Anfänge

Die Urbevölkerung Kenias waren Buschmenschen, Jäger und Sammler aus den Savannen. Etwa 2000 v. Christus wanderten Völker aus dem Norden ein. Sie stammten vermutlich aus Äthiopien. Sie kamen mit Rinderherden, denn sie hatten etwas Entscheidendes gelernt: sie hatten wilde Tiere domestiziert und beherrschten die Rinderzucht. Etwa um Christi Geburt zogen Bantuvölker aus dem Inneren des Kontinents ins Land. Auch sie brachten eine Neuerung ins Land: Sie beherrschten die Eisenverarbeitung. Ein paar Jahrhunderte später war die Küste Kenias Teil eines weltumspannenden Handelsnetzes. Arabische und römische Händler suchten die Küsten auf und tauschten Waren mit den Einheimischen. Am Ende des ersten Jahrtausends entstanden an der Küste Handelsstädte, die eng mit der arabischen Welt verbunden waren. Mombasa entwickelte sich zum wichtigsten Hafen. Der Islam breitete sich aus.

Die Neuzeit

Das mittelalterliche Mombasa (c) Braun and Hogenberg

 

Um 1500 war Mombasa das größte Handelszentrum an der Küste von Ostafrika. Die Portugiesen erreichten 1487 die ostafrikanische Küste. Sie eroberten Mombasa und bestimmten für die nächsten Jahrzehnte den Handel der Region. 1728 kam es zu Kämpfen zwischen Portugiesen und Arabern um die Macht an der ostafrikanischen Küste. 1837 unterwarf der Sultan von Oman die Küstenregion von Mombasa. Er hatte seinen Sitz auf der Insel Sansibar, doch mit Mombasa hatte er einen Stützpunkt für die Sklavenjagd in Afrika. Das Sultanat beherrschte einige Jahrzehnte lang die Küste zwischen Somalia und Tansania. Dann geriet die Region unter den Einfluss der europäischen Großmächte. Sie zwangen den Sultan, seine Gebiete auf dem Festland abzutreten. Einige Jahre später drangen Missionare und Afrikaforscher von Mombasa aus ins Landesinnere vor. Zu ihnen gehörten der deutsche Missionar Johann Ludwig Krapf sowie der Schotte Joseph Thomson. Sie bauten die ersten Schulen und erzogen die Kinder der Einheimischen nach westlichem Vorbild. Auf der Karte links siehst du das mittelalterliche Mombasa.

Die Kolonialzeit

Dampflok der Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft (c) GeorgTrb

Die Briten erhielten nach Verhandlungen mit den Deutschen die Kontrolle über Kenia und Uganda. Im Gegenzug erhielt das Deutsche Reich die Insel Helgoland zurück. Die britische Kolonialregierung vereinte die beiden ostafrikanischen Länder zum Protektorat Britisch-Ostafrika. Die Briten begannen, eine Eisenbahnlinie zwischen Mombasa und dem Victoriasee zu bauen. In Nairobi entstand ein britisches Eisenbahncamp. 1920 wurde das Gebiet zur britischen Kronkolonie Kenia erklärt. Ehemalige britische Soldaten siedelten sich in den fruchtbaren Hochebenen an. Es war das Land der einheimischen Kikuyu. Die Kikuyu wehrten sich gegen die Besetzung ihres Landes mit blutigen Aufständen. Links eine Dampflok der Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft.

 

Die Unabhängigkeit

Die Widerstandsgruppen gründeten die Gewerkschaft Kenya African Union. Aus dieser Bewegung ging der Mau-Mau Aufstand hervor, der sich mit einer Reihe von Anschlägen gegen die Besatzer wehrten. Unter den Widerstandskämpfern befand sich Jomo Kenyatta, der spätere Präsident des unabhängigen Kenia. 1952 verhängte die Kolonialregierung den Ausnahmezustand. Bis zur Niederschlagung der Erhebung im Dezember 1959 wurden etwa 14 000 Afrikaner getötet, doch nur 95 Weiße verloren ihr Leben. Das lag daran, dass die Weißen mit ihren modernen Waffen den Einheimischen bei weitem überlegen waren. Kenyatta wurde verhaftet. Er war von 1953 bis 1960 hinter Gittern. Nach langen Kämpfen siegte die Gerechtigkeit. Nach seiner Entlassung schaffte es Jomo Kenyatta, mit klugen Verhandlungen die Kämpfe zu einem friedlichen Ende zu bringen. 1963 erhielt Kenia die Unabhängigkeit und Jomo Kenyatta wurde erster Präsident von Kenia. Auf dem Foto rechts siehst du eine Statue des Mau-Mau Kämpfers Dedan Kimathi, der von der britischen Kolonialverwaltung 1958 hingerichtet wurde.

 

Erste Republik und Demokratisierung

Statue von Jomo Kenyatta in Nairobi (c) JimSlim

Am 12. Dezember 1963 erhielt Kenia die volle Unabhängigkeit. Mit Jomo Kenyatta als Staatspräsidenten blieb Kenia Mitglied im British Commonwealth. Die Bande zur ehemaligen Kolonialmacht waren damit noch nicht durchschnitten. Dieser Prozess vollzog sich erst in der nächsten Generation. Nach dem Tod Jomo Kenyattas im Jahr 1978 wurde Daniel arap Moi Staatspräsident von Kenia. Unter dem Druck westlicher Regierungen und der Weltbank musste Moi seine Einparteien-Herrschaft aufgeben. Zu Beginn der 1990er Jahre stellten sich mehrere Parteien zur Wahl. Jedes größere Volk hatte sich in einer Partei organisiert und wollte mitregieren. Zugleich formierte sich auch in Kenia eine breite politische Opposition. Die Völker drängten auf Reformen. Auf dem Foto links siehst du eine Statue von Jomo Kenyatta.