Das Königreich der Ashanti

Flagge des Ashantireiches

Im sanften Hügelland von Ghana begann im 17. Jahrhundert der Aufstieg des Königreiches der Ashanti. Die Herrscher waren bekannt für ihr Gold und ihre hochentwickelte Staatskunst. Sie waren gefürchtet wegen ihrer ausgefeilten, modernen Kriegsführung. Wie schaffte es ein Volk innerhalb eines Jahrhunderts, zu einer regionalen Großmacht aufzusteigen?

Die Akan auf der Suche nach neuem Land

Palast der Ashante Herrscher nach einer Zeichnung von thomas Edward Bowdich (c) AhantaDie Akanvölker waren im 13. Jahrhundert aus dem Norden in die Regenwaldgebiete Westafrikas eingewandert. Sie waren zu der Zeit noch kleine Volksgemeinschaften, die in den fruchtbaren und wasserreichen Gebieten im Zentrum von Ghana ihr Glück suchten. In den Böden fanden sie unermessliche Goldschätze. Sie begannen mit den mächtigen Sahelreichen Handel zu treiben. Als im 15. Jahrhundert Hirse, Bananen und Kassava aus Amerika und Südostasien eingeführt wurden, zogen immer mehr Völker in das Gebiet, das Asantes genannt wurde. Nahrung war reichlich vorhanden, und Arbeit gab es genug in den Goldminen. Bald meldeten sich europäische Abnehmer für das Edelmetall.  

Der Goldhandel mit Europa
Schiff von Magellan auf dem Weg nach Afrika - Detail aus einer Karte von Ortelius (c) helmink

Die Portugiesen waren die ersten, die an der Küste in den Goldhandel einstiegen. Der Ruf vom Reichtum der Ashanti weckte die Gier der übrigen europäischen Seemächte. Niederländer, Brandenburger und Briten kämpften um die Kontrolle über die Goldküste. Sie vertrieben die Portugiesen und machten den Handel unter sich aus. Mit den drei Mächten änderte sich der Warenaustausch. Waffen und Munition wurden nun gegen Gold geliefert. Bald versorgten die Akan ganz Europa mit Gold und erhielten dafür moderne Feuerwaffen. Sie verkauften aber nicht alles. Einen Teil horteten sie als Schatz, der vom Dorfobersten verwaltet und von der ältesten Frau im Dorf bewacht wurde. Der Goldhandel brachte den Dorfgemeinschaften großen Reichtum. Kleine Fürstentümer entwickelten sich. Mit den neuen Waffen waren sie den Nachbarvölkern überliegen. Sie führten regionale Kriege  und zwangen die Gefangenen, in ihren Goldminen zu arbeiten.

Osei Tutu und der goldene Stuhl

Goldener Stuhl im Brooklyn Museum (c) Slick-o-bot.1695 schlug die Geburtsstunde des Königreiches der Ashanti. Ein Priester erklärte, er habe von ihrem höchsten Gott Nyame den Auftrag erhalten, aus den Ashanti ein mächtiges Volk zu machen. Der damalige Herrscher von Kumasi, Osei Tutu, berief eine Versammlung aller Würdenträger ein. Nach der Legende soll der Priester vor den Augen der Versammelten einen goldenen Stuhl vom Himmel geholt haben. Er erklärte diesen Stuhl als heilig, denn er enthalte die Seele des ganzen Ashantivolkes. Osei Tutu einigte die Fürstentümer zu einem Königreich und bestieg den Thron als Asenthene, der König der Ashanti. Der goldene Stuhl wurde zum Symbol seines Reiches. Osei Tutu hatte mehr im Sinn. Er wollte, dass sein Reich das mächtigste in Westafrika wird. Er schuf eine nationale Armee. Jedem Mitgliedsstaat wies er einen Platz und eine Aufgabe in dieser Armee zu. Jeder Staat musste Waffen und Männer liefern. Die vereinigten Streitkräfte eroberten die umliegenden Reiche und gliederten sie ein.

Das Ende des Königreichs und der Beginn der Kolonisierung

Ashanti im Gefecht gegen die Briten am 11. July 1824, Maler unbekannt (c) KatharinaivDie Ashanti schalteten sich in den Sklavenhandel ein. Im Austausch für Gold, Sklaven und Elfenbein erhielten sie die jeweils die neuesten Gewehre. Die Ashanti wurden dadurch so schlagkräftig, dass selbst die britische Kolonialmacht siebzig Jahre und sieben Kriege brauchte, um sie zu besiegen. Der Ashanti König wurde in die Verbannung geschickt. Ein Jahrhundert lang wurde Ghana zu einer britischen Kronkolonie. Die Briten verboten den Sklavenhandel und beuteten die Goldschätze der Ashanti aus. Mit dem Anbau von Kakao entdeckten sie eine weitere Einkunftsquelle. Die Völker Ghanas wehrten sich in vielen blutigen Aufständen gegen die Ausbeutung ihrer Schätze und ihrer Arbeitskraft. Am 6. März 1957 gelang es ihnen als erste Kolonie in Afrika, unabhängig von der britischen Kolonialherrschaft zu werden.

Ein König ohne Königreich

Der letzte Ashanti vor der Eroberung durch die Briten, Prempeh I. 1888-1931 (c) LubiczDas Ashantireich bestand über 200 Jahre, von 1695 bis 1896. Heute sind die Ashanti ein Volk unter anderen Völkern in Ghana. Ihre Paläste wurden von den Kolonialmächten zerstört. Aber sie haben immer noch ihren König. Zehn dörfliche Tempel sind erhalten. Sie wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, eine Auszeichnung für die hohe Kultur der Ashanti. Rechts im Bild siehst du Asanthene Prempeh I., den letzten König, der über das Reich der Ashanti herrschte.

Der Sankova Vogel

Sankofa Vogel - Symbol der Ashanti

Die Ashanti besitzen eine Vielzahl von Symbolen und Sprichwörtern. Sie stammen aus der Zeit des alten Königreiches. Ein sehr bekanntes Symbol ist der Sankofa Vogel. Der Vogel schreitet vorwärts und hat dabei seinen Kopf rückwärts gewandt. Er bedeutet, dass man aus der Vergangenheit lernen muss, um eine bessere Zukunft zu schaffen.

Mehr über den Sankova Vogel erfahrt ihr in der Geschichte Kwajo und das Geheimnis des Trommelmännchens

 

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