Die Kolonialisierung der Elfenbeinküste

Eine Karte mit Magellans Schiff (c) helminkPortugiesische Kaufleute erreichten im 15. Jahrhundert die Elfenbeinküste. Sie knüpften Handelsbeziehungen mit den am Meer lebenden Völkern. Wichtigstes Handelsgut war Elfenbein, weshalb das Land heute noch Elfenbeinküste genannt wird. Die Sklaven wurden daher auch vielfach als "schwarzes Elfenbein" bezeichnet. Französische Kaufleute gründeten an der Küste Handelsniederlassungen und beteiligten sich ebenfalls am Handel mit Sklaven und Elfenbein. Sie begannen den Regenwald zu roden und Kaffee- und Kakaoplantagen anzulegen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten die Franzosen in Grand Bassam ihren ersten Marinestützpunkt. Sie ließen von Zwangsarbeitern das Verkehrsnetz ausbauen, um weiter in den Norden vorzudringen. 1893 erklärten die Franzosen das Gebiet zu ihrer Kolonie.

Der Widerstand gegen die Fremdherrschaft

Haben sich die afrikanischen Völker dem Kolonialsystem kampflos unterworfen? Nein, es gab Jahrzehnte langen erbitterten Widerstand gegen Zwangsarbeit und Ausbeutung. Vor allem die Völker im Norden der Elfenbeinküste widersetzten sich der französischen Kolonialmacht. Im Jahr 1944 erreichte der Widerstand seinen Höhepunkt. Einer der reichsten Männer des Landes, der einheimische Mediziner und Plantagenbesitzer Félix Houphouët-Boigny, setzte ein Gesetz zur Abschaffung der Zwangsarbeit durch.

Die Elfenbeinküste wird unabhängig

Der Einfluss Frankreichs schwand immer mehr. Der Ruf nach Unabhängigkeit erfasste ganz Afrika. In der Elfenbeinküste erhoben sich die Massen, sie wollten das Joch der Fremdherrschaft für immer abschütteln. Frankreich musste klein beigeben.  Am 7. August 1960 erhielt das Land die volle Unabhängigkeit. Die Elfenbeinküste wurde Republik, Félix Houphouët-Boigny wurde als erster Staatspräsident ins Amt gewählt. Er hielt die enge wirtschaftliche und militärische Bindung an Frankreich aufrecht. Er führte das Land mit harter Hand. Es gab nur eine Partei, und nur er hatte das Sagen. Sein Verdienst war jedoch, dass er  die Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Völkern mit viel Diplomatie löste. Das Land war für viele Jahre politisch stabil, die Wirtschaft wuchs und der Großteil der Bevölkerung lebte in bescheidenem Wohlstand. Doch die jungen Ivorer sehnten sich nach demokratischen Verhältnissen. Sie wollten politische Vielfalt, mehrere Parteien sollten regieren. 2002 kam es zu einem Bürgerkrieg, der das Land  in zwei Teile zerriss.