Die Kolonisierung Kongos und der Kampf der Kongolesen um ihre Unabhängigkeit

König Leopold II. von Belgien errichtet eine schreckliche Herrschaft über die Völker im Kongo

Das Jahr 1876 war ein Schicksalsjahr für die Menschen im Kongo. Ein britischer Journalist namens Henry Morton Stanley reiste im Auftrag des Belgischen Königs Leopold II. in den Kongo. Er erwarb für Leopold II. weite Teile des Kongo. Damit begann eine der schrecklichsten Herrschaften über afrikanische Völker. Die einheimischen Völker wurden zur Zwangsarbeit gezwungen. Wenn sie das Arbeitssoll nicht erfüllten, wurden sie drakonisch bestraft. Dazu gehörten Verstümmelungen und andere Grausamkeiten. Die barbarische und menschenverachtende  Misshandlung der Einwohner wurde von Missionaren und Journalisten angeprangert. Die Öffentlichkeit in Europa und in den USA war entsetzt über die schrecklichen Zustände. Es kam zu einem internationalen Skandal. Das Verhalten des belgischen Königs wurde verurteilt. Er musste daraufhin das Gebiet aufgeben. Seine Herrschaft ging als "Kongogräuel" in die Geschichte ein. Die Regierung von Belgien übernahm die Kolonialverwaltung, aber sie beendete nicht die Grausamkeiten. Auf dem Bild rechts siehst du ein kongolesisches Dorf, wie es zur Zeit von H.M.Stanleys Ankunft aussah.

Kongo gelangt unter belgische Kolonialherrschaft

Im Kongo bildete sich eine starke Befreiungsbewegung. Die Menschen wollten das Joch der Fremdherrschaft abwerfen. Sie wollten frei und unabhängig sein. Männer und Frauen gingen auf die Straße und forderten die Unabhängigkeit ihres Landes von den europäischen Besatzern. Die Aufstände wurden von der Kolonialverwaltung gewaltsam niedergeschlagen. Viele Freiheitskämpfer verloren ihr Leben. Doch die Mehrheit der Kongolesen liess sich nicht mehr von der brutalen Gewalt abschrecken. Darauf hin änderte Belgien seine Taktik. Die Kolonialverwaltung versprach Reformen. Doch die Bevölkerung glaubte den  Versprechungen der fremden Herrscher nicht mehr. Links im Bild siehst du eine Dorfgemeinschaft im Kongo mit drei weißen Missionaren. Darunter befand sich auch eine weiße Frau, die in der Missionierung tätig war.

Der Freiheitskämpfer Patrice Lumumba

Patrice LumumbaImmer wieder rebellierte die afrikanische Bevölkerung gegen die Kolonialherrschaft. Die Ausdauer der Freiheitskämpfer wurde schließlich belohnt. Nach dem 2. Weltkrieg waren die Europäer geschwächt. Mit Klugheit und Beharrlichkeit konnten die Völker Kongos ihren Willen durchsetzen. Der Freiheitskämpfer Patrice Lumumba setzte sich an die Spitze der Freiheitsbewegung. Er war ein einfacher Postbeamter mit wachem Verstand. Mit seinen klugen Reden scharte er die Mehrheit seiner Mitstreiter hinter sich. So gelang es, dass Kongo am 30.6.1960 unabhängig wurde. Die ersten freien Wahlen wurden abgehalten und eine Regierung wurde gebildet. Doch die erste Regierung war noch schwach. Vor allem die Herrscher über die reichen Provinzen wollten sich abspalten. Am 14. September 1960 wurde Lumumba in einem Staatsstreich gestürzt. Patrice Lumumba rief die Vereinten Nationen zu Hilfe. Militär wurde entsandt, um den Streit zu schlichten. Doch im Geheimen handelten die internationalen Mächte gegen Lumumba. Warum? Lumumba hatte geplant, die wirtschaftliche Abhängigkeit des Kongos zu beenden. Die westlichen Staaten wollten aber nach wie vor die Rohstoffe des Landes ausbeuten. Vor allem wollten sie die Kontrolle über Uran, das sich in den Böden Kongos findet. Lumumba wurde 1961 verschleppt und ohne Gerichtsverhandlung erschossen. Nach dem Abzug der UN Truppen verschlimmerte sich die Lage. Ein kongolesischer Diktator folgte dem anderen, jeder übte Rache an seinem Vorgänger. Es kam zum Bürgerkrieg, der Millionen von Opfern forderte.

Der kongolesische Diktator  Mobutu

Datei:Mobutu.jpgEin General namens Mobutu Sese Seko ergriff 1965 die Macht im Land. Er herrschte wie ein König mit nur einer Partei und erließ eine neue Verfassung. So gewann er alle Macht im Kongo. Er schränkte dein Einfluss der katholischen Kirche ein und setzte durch, dass sämtliche europäischen Namen durch afrikanische ausgetauscht wurden. Mit Mobutu hielt die Korruption Einzug, er plünderte die Staatskassen während die Mehrheit der Bürger immer mehr verarmte. Deshalb wurde er 1997 von Rebellen gestürzt. Die verlassenen Paläste von Gbadolite mitten im Dschungel erinnern an den prunksüchtigen Diktator. Auf den Machtwechsel folgte ein weiterer Bürgerkrieg. Viele angrenzende Staaten wurden darin verwickelt. Man fürchtete, dass ein dritter Weltkrieg ausbrechen könnte. 2002 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet. Mehrere Parteien wurden zugelassen, Gewaltenteilung wurde eingeführt. Doch im Osten des Landes finden bis heute Kämpfe zwischen Rebellen und Truppen der Regierung statt. 2006 fanden erstmals seit 1960 wieder freie Wahlen statt.

Mehr über Patrice Lumumba