Die Hamar

Die Hamar leben im Südwesten von Äthiopien, am Fluss Omo. Der Omo ist die Lebensader im heißen Südwesten. Die meisten leben als Halbnomaden in der kargen Savanne, zwischen trockenen Rizinusbüschen und Akazien. Die Hamar leben in einfachen Dörfern, die Hütten sind aus Zweigen und Stöcken erbaut. Die Frauen betreiben Landwirtschaft und bauen Hirse an. Die Männer züchten Rinder und Ziegen oder gehen zum Fischfang. Je größer ihre Vieherde, umso mehr werden sie geachtet. Das besondere an den Hamar sind ihre Rituale.

Der Bullensprung

Die Frauen tragen Rückennarben, sie stammen von dem Initiationsritual, dem "Bula". Der Bullensprung ist Höhepunkt eines dreitägigen Hochzeitsrituals, das vor der Regenzeit abgehalten wird. Seit Jahrhunderten vollziehen die Hamar diese Tradition. Der Bräutigam durchläuft eine Art symbolischer Zeugung und Geburt, wenn sein Vater ihn für zeugungsfähig hält. Er muss nackt über eine Reihe von Bullen springen, die von den männlichen Trauzeugen zusammen getrieben werden. Er hat die Prüfung bestanden, wenn er mindestens über 8 Bullen gesprungen ist ohne runter zu fallen. 

Das Auspeitschen

Die Trauzeugen schminken ihre Gesichter feierlich mit roten Punkten auf weißem Lehm. Auch die Kinder schminken sich gegenseitig, denn sie wollen genauso schön geschmückt sein wie die Erwachsenen. Die Mädchen des Clans treffen sich vor dem Bullensprung zum traditionellen Auspeitschen. Davon bekommen sie wulstige Narben, je größer die Narben desto schöner werden sie empfunden. Das Auspeitschen tut natürlich weh, doch sie lachen, um zu beweisen, dass sie nicht wehleidig sind. Für sie ist es die höchste Ehre, an dem schmerzlichen Ritual teilzunehmen.