Die Geschichte Ägyptens nach dem Pharaonenreich

Mosaik mit Alexander dem Großen bei der Schlacht von Issos, 333 v.Christus (c) RuthvenDie griechisch-römische Zeit im Alten Ägypten begann mit Alexander dem Großen, der 333 vor Christus die Macht über Ägypten an sich riss. Die ägyptische Bevölkerung empfing den Feldherren aus Makedonien freundlich, da sie dachten, dass er die verhassten Perser vertreiben würde. Sie hatten aber nicht damit gerechnet, dass die Makedonen nur an die Stelle der Perser treten. Alexander der Große war ägypterfreundlich. Er liess sich in Memphis zum Pharao krönen und brachte ganz nach ägyptischer Tradition für den heiligen Stier des Gottes Ptah ein Opfer dar. Er gründete im Nildelta die Hafenstadt Alexandria zu Ehren seines Feldzuges.

Die Ptolemäer

Antikes Alexandria (c) egypt

Nach dem Tod von Alexander dem Großen übernahmen die Ptolemäer die Macht. Unter ihrer Regentschaft wurden die berühmte Bibliothek von Alexandria errichtet und der Leuchtturm von Pharos erbaut, der als eines der sieben Weltwunder galt. Der Turm war weithin zu sehen und half den Seefahrern bei der Orientierung. Der Turm von Pharos war der erste Leuchtturm und wurde zum Wahrzeichen von Alexandria. Er  findet sich heute im Wappen der Stadt. Seine Bauweise war wirklich bahnbrechend.

Mehr über den Leuchtturm von Pharos

Machtkämpfe einer Herrscherfamilie

Die ägyptischen Falken des Gottes Horus in ptolemäischer Zeit (c) Rosemania(c)

Die Ptolemäer hatten die Falken des Gottes Horus zum Symbol ihrer Herrschaft erwählt. Sie kämpften untereinander um die Macht in Ägypten. Die Intrigen am Hof zogen sich durch alle folgenden Generationen. Kleopatra war die letzte Ptolemäerin auf dem Pharaonenthron. Auch sie war in die inneren Streitigkeiten verstrickt. Sie übernahm als Siebzehnjährige 51 v. Chr. die Regierungsgeschäfte von ihrem Vater Ptolemaios XII., allerdings  unter der Bedingung, ihren jüngeren Bruder zum Mann zu nehmen. Julius Caesar griff in die inneren Streitigkeiten Ägyptens ein und gewann die Gunst von Kleopatra. Nach seinem Tod wurde sein Nachfolger Marcus Antonius der Geliebte Cleopatras. Er zog mit der ägyptischen Königin in die Schlacht bei Actium, um Ägypten vor dem Zugriff Roms zu bewahren. Bei dieser berühmten Seeschlacht siegte Octavian. Cleopatra und Ägypten fiel an Rom. Um dem Siegeszug der Römer mit ihr als Sieges-Trophäe zu entgehen, entschied sich Kleopatra für den Tod. Sie nahm sich das Leben mit dem Gift einer Schlange, der Königskobra, der giftigsten aller Schlangen.

Die Römischen Kaiser

Octavian nach seinem Sieg über Ägypten (c) wikicommonsIn der Zeit von 30 vor Christus bis 395 nach Christus beherrschten die Römer das ägyptische Reich. Römische Kaiser trugen die Tracht der Pharaonen - wie rechts im Bild Oktavian - und liessen sich als Gottkönige verehren. Sie liessen imposante Bauwerke errichten, um sich für die Nachwelt zu verewigen. Die Römer betrachteten Ägypten als riesige Vorratskammer und schafften Getreide und Baumwolle aus dem Land. Es kam zu Unruhen, denn mit den steigenden Exporten steigen auch die Steuern und Abgaben. Verschiedene Kaiser mussten sich deshalb immer wieder gegen die Aufständisichen erwehren. Die Römer importierten das Christentum in  Ägypten. Sie wandelten altägyptische Tempelanlagen in Kirchen um. Das Christentum fand in Ägypten immer mehr Anhänger. Einer der Gründe war, dass im Christentum viele Eigenheiten der ägyptischen Götterwelt übernommen wurden. Für die Ägypter war das Christentum nicht ganz unbekannt. Wie in ihrer Religion gab es einen Hauptgott - Gottvater, daneben verehrten sie einen Gott-Sohn - Horus - und ebenso einen Gott, der eine Idee verkörperte, wie der Sonnengott Aton. Griechisch war lange Zeit die Sprache der höheren Schichten. Das Ägyptische oder Latein wurden von den alten Ägyptern und Juden gesprochen. Erstaunt stellten Historiker sehr viel später fest, dass während der Zeit, als die Römer Ägypten unterjochten, der ägyptische Einfluss auf das Römische Reich größer war als umgekehrt. Einige Kulte wie der Isis oder der Osiris Kult breiteten sich rund um das Mittelmeer aus. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches geriet Ägypten unter die Hoheit von Ost-Rom, an Byzanz.

Ägypten wird arabisch

Saladin, König von Ägypten, nach einem Manuskript auf dem 15. Jh. (c) GDKUm 640 eroberten islamische Araber das Niltal. Sie siedelten sich hier an, verbreiteten des Islam und veränderten das kulturelle Leben in Ägypten. Die Mehrheit der Ägypter wurde islamisch. Der bedeutendste arabische Herrscher in Ägypten wurde Saladin, ein kurdischer Feldherr. 1158 eroberte er Kairo. Drei Jahre später setzte er den Sultan ab und wurde Herrscher über Kairo und Bagdad. Mit dem Machtantritt Saladins wurde Kairo im 12. Jahrhundert zum Zentrum des muslimischen Widerstandes gegen die christlichen Kreuzzüge. Vom Kalifen von Bagdad erhielt er den Ehrentitel "Schwert des Islam". Als Sultan Saladin wurde er zum größten Helden der islamischen Welt. Denn er schlug die Kreuzzügler vor Jerusalem und sorgte dafür, dass die Christen die Herrschaft über die Heilige Stadt verloren. Berühmt wurde er durch den Kampf gegen den Kreuzritter Richard Löwenherz. Der Kampf endete unentschieden. Saladin wurde von Freund und Feind geschätzt wegen seiner Klugheit und seiner Großzügigkeit. Sein Reich wurde nach seinem Tod unter seinen Söhnen aufgeteilt. Um 1250 erhob sich die Palastgarde, ursprünglich türkische Militärsklaven und übernahm die Macht.

Ägypten - eine Provinz des Osmanischen Reiches

Sultan Selim I. (c) Belli degilDas osmanische oder türkische Reich beherrschte Kleinasien, Vorderasien und Küstengebiete am Mittelmeer. Wie das einstige römische Reich war es begierig auf die Kornkammer Ägypten. Türkische Truppen eroberten Ägypten 1517. Ägypten gehörte damit zum Osmanischen Reich, doch die Herrscher beliessen die Verwaltung in den Händen der türkischen Militärsklaven. Im 15. Jahrhundert wurde der Seeweg nach Indien erkundet. Damit begann der wirtschaftliche Niedergang von Ägypten. Die Osmanen hatten keinen Plan, wie Ägypten den Verlust an Absatzmärkten auffangen konnte. Das Land wurde zu einer der ärmsten Provinzen des Osmanischen Reiches. 

Franzosen und Engländer streiten sich um die Herrschaft am Nil

Napoleon und die Pyramidenschlacht, Gemälde von Francois-Louis-Joseph Watteau (c) wikicommons 1798 schlug die Stunde der Franzosen. Napoleon Bonaparte beendete mit seinem Expeditionskorps 1798 die Herrschaft der Osmanen. Die sogenannte "Pyramidenschlacht" inspirierte die Phantasie vieler Maler wie rechts Francois-Louis-Joseph Watteau. Bald kam Napoleon ein Gegner in die Quere, die nicht leicht zu besiegen war: der britische Admiral Nelson. Er besiegte Napoleon in einer Seeschlacht. Der lachende Dritte war ein albanischer Offizier namens Muhammad Ali Pascha (1805-1882), der die Streitigkeiten der Europäer zu seinen Gunsten nutzte. Unter osmanischer Flagge besetzte er das Land und leitete die Geschichte des modernen Ägyptens ein. Sein Erbe: Ein Militär, das stärker ist als die Politik  Immer wenn es im Land zu viel Zoff gibt zwischen verschiedenen Machthabern, greift das Militär ein und übernimmt zeitweise das Ruder. 

Ein ehrgeiziges Bauprojekt treibt Ägypten in den Ruin

Bau des Suezkanals auf einem Gemälde aus dem 19. Jahrhundert (c) wikicommonsMuhhamad Ali Pascha und seine Nachfolger begannen ein ehrgeiziges Projekt: Den Bau des Suezkanals. Der Kanal sollte den Indischen Ozean mit dem Mittelmeer verbinden. Das Land stürzte sich in ungeheure Schulden. Es wurde abhängig von ausländischen Geldgebern – vor allem von Franzosen und Engländern. Die Engländer erwarben die meisten sogenannten „Kanalaktien“. So hatten sie einen Fuß in der Tür zum meistbegehrten Land in Nordafrika. Ab 1881 hatten die Engländer es geschafft, das Land unter ihre Kontrolle zu bringen. 1914 wurde Ägypten offiziell unter das britische Protektorat gestellt. Keine zehn Jahre später wurde Ägypten zu einem Königreich mit einem ägyptischen Herrscher. Doch der ägyptische König war kein Souverän, er war abhängig vom Willen der Kolonialmächte.  1936 erhielt Ägypten endlich die Unabhängigkeit. Doch es herrschte der 2. Weltkrieg, und kurz danach kämpften deutsche und italienische Truppen auf ägyptischem Boden um die Vorherrschaft in Nordafrika. Britische Truppen blieben bis 1946 im Land. Sechs Jahre nach ihrem Abzug endete die ägyptische Monarchie. Dann erst  begann die Zeit der wirklichen Unabhängigkeit.